Als Sexologin steht in meiner Arbeit das sexuelle Wohlbefinden und ja, die erotische Finesse des Menschen im Vordergrund.
Der Erregungsreflex ist angeboren, aber erotische Finesse will gelernt werden.
Erotische Finesse bedeutet, die eigene Sinnlichkeit als etwas Gestaltbares zu begreifen, nicht als Zufall, sondern als feine Kunst.
Sich mit der eigenen Erotik zu beschäftigen, kann zutiefst belebend sein. Denn in ihr begegnen wir unseren Sehnsüchten, unserer Vorstellungskraft und der Fähigkeit, uns in Resonanz zu fühlen.
Und in der Berührung mit unserer Erotik nähren wir auch unser Gefühl von Lebendigkeit.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen darin, sich diese Dimension zu erschließen, jenseits von Leistungsdruck, Vergleich und Routine.
Erotische Bildung, wie sie in der sexologischen Praxis stattfindet, bedeutet: explorieren, spüren, auch verlernen, neuentdecken – in einem fortwährenden Kreislauf.
Warum habe ich keine Lust mehr auf Sex?
Was hinter sexueller Unlust stecken kann
„Früher hatten wir ein erfülltes Sexualleben. Und irgendwann war plötzlich keine Lust mehr auf Sex da.“
Mit diesem Satz beginnen erstaunlich viele Gespräche in meiner sexologischen Praxis. Manche Menschen erzählen schüchtern davon, andere mit spürbarer Frustration. Oft steht dahinter die Sorge, dass mit ihnen oder mit ihrer Beziehung etwas nicht mehr stimmt.
Doch sexuelle Unlust ist kein seltenes oder ungewöhnliches Phänomen. In vielen Beziehungen verändert sich das sexuelle Verlangen im Laufe der Zeit. Lust ist selten ein stabiler Zustand. Sie reagiert empfindlich auf Lebensumstände, Beziehungsklima und innere Prozesse. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
„Warum habe ich keine Lust mehr auf Sex?“ weiterlesenSquirting bei Frauen: Was wirklich dahintersteckt
Squirting bei Frauen zählt bis heute zu den heiß diskutierten Phänomenen weiblicher Sexualität. Zwischen Mythen, Pornobildern und medizinischer Unwissenheit blieb lange unklar, was diese Flüssigkeit eigentlich ist, woher sie stammt und welche Bedeutung sie für das sexuelle Erleben hat. Die Forschung der letzten Jahre hat das Bild glücklicherweise präzisiert. Die Erkenntnisse wirken unspektakulär und gerade deshalb befreiend. Sie räumen mit vielen kulturellen Vorstellungen auf und schaffen Raum dafür, dass Frauen ihren Körper und ihre sexuelle Reaktion entspannter und selbstverständlicher erleben können.
Was wir heute wissen: Squirten meint das Ausstoßen größerer Flüssigkeitsmengen aus der Harnröhre während sexueller Erregung. Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet heute sauberer zwischen zwei Formen: weibliche Ejakulation (female ejaculation) und Squirting (female expulsion). Das ist wichtig, weil beide oft miteinander verwechselt wurden.
„Squirting bei Frauen: Was wirklich dahintersteckt“ weiterlesenErotische Fatigue
Wenn alles möglich ist, aber nichts mehr unter die Haut geht
Noch nie wurde so differenziert und zugleich so offen über Sexualität gesprochen. Noch nie war das Repertoire an Begriffen und Methoden so umfangreich, die Haltung so reflektiert, der Anspruch so hoch. Noch nie stand uns ein so reichhaltiges Vokabular für Lust, Konsens und Körperlichkeit zur Verfügung.
Wir haben uns von den schamhaften Flüstertönen der Vergangenheit zu einer aufgeklärten Gesellschaft entwickelt, die ein buntes, vielfältiges, neonleuchtendes Vokabular der Sexualität – oder besser: der Sexualitäten – geschaffen hat. In Podcasts, Instagram-Reels und auf Panels wird gesprochen, analysiert, diskutiert. Und die Namen vieler Workshops in diesem Bereich klingen wie Cocktails in einer hippen Bar: Feuer der Lust – das Extase-Retreat, Kinky-Kuss-Workshop, Wheel-of-Konsent-Training, Yoni-Watching, Conscious-Tempelnight.
Ja, diese Entwicklung ist ein Geschenk. Sie befreit uns vom Schweigen und vom Tabu. Sie öffnet Räume, in denen Menschen sich ausdrücken, ihre Grenzen benennen und ihre Sehnsüchte teilen können. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, wie transformierend es sein kann, endlich Worte zu finden für etwas, das lange nur als diffuses Gefühl existierte. Sprache schafft Bewusstsein und aus Bewusstsein entsteht Klarheit. Doch Sprache und die damit einhergehende Deutlichkeit können dem Sex auch seine Magie nehmen. Das Mysterium, das ihm innewohnt, kann durch zu viele Worte, zu viel Bewusstsein überlagert werden.
So spüre ich in meiner Arbeit mit Paaren und Einzelnen eine leise Verschiebung. Neben der neu gewonnenen Freiheit taucht eine andere Erfahrung auf: eine Form von Müdigkeit, die sich schwer greifen lässt. Menschen sagen: „Wir machen doch alles richtig, und doch fühlt es sich nicht wirklich lebendig an.“ Oder: „Ich weiß so viel über Sexualität – und doch spüre ich so wenig.“
Diese Erfahrungen beschreiben, was ich Erotische Fatigue nenne: eine Erschöpfung, die nicht aus Mangel entsteht, sondern aus Überfülle.
Diesen Beitrag findet ihr in voller Länge auf sexuellekultur.com
Pornosucht – Wenn der Konsum zur Belastung wird
Zwischen Genuss und Zwang – Was bedeutet Pornosucht?
Pornografie ist heutzutage leicht zugänglich und für viele Menschen ein selbstverständlicher Teil ihrer Sexualität. Doch was, wenn der Konsum überhandnimmt, Beziehungen belastet oder das eigene Lustempfinden verändert? Der Übergang von einem gesunden Konsum zu einer problematischen Nutzung kann fließend sein. Sexologische Beratung kann helfen, ein ausgewogenes Verhältnis zur eigenen Sexualität wiederzufinden.
„Pornosucht – Wenn der Konsum zur Belastung wird“ weiterlesen„Himmel über der Wüste“ – Sexuelles Begehren zwischen Sehnsucht, Freiheit und Nähe
Sexuelles Begehren ist ein eigenwilliges Phänomen. Es lässt sich nicht erzwingen und folgt selten den Regeln, die wir für Liebe und Nähe aufstellen. Gerade in langfristigen Beziehungen zeigt sich oft ein Paradox: Während Liebe Vertrautheit und Sicherheit sucht, entsteht erotisches Begehren häufig dort, wo ein Rest von Fremdheit erhalten bleibt.
„„Himmel über der Wüste“ – Sexuelles Begehren zwischen Sehnsucht, Freiheit und Nähe“ weiterlesen