Was als erotisch empfunden wird, ist ebenso individuell wie wandelbar. Manche Menschen lassen sich von äußeren Merkmalen wie einem sinnlichen Mund oder den Körperformen eines Gegenübers in den Bann ziehen. Andere spüren Erregung durch Stimme, Geruch oder die Art, wie jemand sie ansieht. Und dann gibt es jene, für die das Begehren aus der Tiefe einer emotionalen Verbindung aufsteigt. Unsere Anziehungscodes – die Muster, die bestimmen, was uns erregt – sind jedoch nicht in Stein gemeißelt. Sie formen sich durch Erfahrungen, Prägungen und können sich im Laufe unseres Lebens verändern
Jede Reise kann auch eine Reise zu uns selbst sein – und in keiner anderen Sphäre wird das wohl so spürbar wie in der erotischen Liebe. Unser Begehren bewegt sich stets zwischen zwei Kräften: der Sehnsucht nach Freiheit und dem Wunsch nach einem Heimatgefühl. Wir wollen uns treiben lassen, das Unbekannte erkunden, und doch suchen wir auch ein Gegenüber, das uns Halt und Sicherheit gibt. Doch wer bin ich als begehrendes Wesen – für mich allein und innerhalb einer Liebesbeziehung? Und kann Liebe Bestand haben, wenn das Vertraute sich aufzulösen scheint?
Himmel über der Wüste (The Sheltering Sky, 1990), basierend auf dem Roman von Paul Bowles (auch sehr zu empfehlen!), erzählt die Geschichte eines Ehepaares, das dem Gewöhnlichen entfliehen will. Zehn Jahre Beziehung haben ihre Spuren hinterlassen, und so suchen Port und Kit in der Weite der Sahara nach Intensität – nach etwas, das ihr Begehren neu entfachen könnte. Doch die Wüste ist nicht nur Kulisse, sie ist Metapher: für eine Leere zwischen ihnen, für das Unbekannte in sich selbst und im anderen.