Als Sexologin steht in meiner Arbeit das sexuelle Wohlbefinden und ja, die erotische Finesse des Menschen im Vordergrund.
Der Erregungsreflex ist angeboren, aber erotische Finesse will gelernt werden.
Erotische Finesse bedeutet, die eigene Sinnlichkeit als etwas Gestaltbares zu begreifen, nicht als Zufall, sondern als feine Kunst.
Sich mit der eigenen Erotik zu beschäftigen, kann zutiefst belebend sein. Denn in ihr begegnen wir unseren Sehnsüchten, unserer Vorstellungskraft und der Fähigkeit, uns in Resonanz zu fühlen.
Und in der Berührung mit unserer Erotik nähren wir auch unser Gefühl von Lebendigkeit.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen darin, sich diese Dimension zu erschließen, jenseits von Leistungsdruck, Vergleich und Routine.
Erotische Bildung, wie sie in der sexologischen Praxis stattfindet, bedeutet: explorieren, spüren, auch verlernen, neuentdecken – in einem fortwährenden Kreislauf.
Essay über Liebe und Astrologie
Unter welchem Stern lieben Sie?
Warum wir lieber in die Sterne schauen als in die Augen des anderen – und was uns dabei entgeht
Orientieren Sie sich bei der Partnerwahl bisweilen an Sternzeichen? Waren Sie schon einmal kurz verunsichert, weil „Jungfrau und Widder als Paar ja schwierig sein sollen“, oder haben Sie vielleicht innerlich aufgeatmet, weil astrologisch alles feinstens zu passen schien? Astrologie ist, wie auch andere Formen des Aberglaubens, tief in das Gewebe unseres Alltags eingewoben und durchzieht auch unser Liebesleben. Sie wirkt, oft subtil, in die Art hinein, wie wir über Anziehung, Konflikte und Nähe sprechen und welche Vorstellungen wir davon entwickeln, wer zu wem passt und wie jemand verführt werden will. Manche Menschen gehen mit einem Augenzwinkern damit um, andere mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit.
„Essay über Liebe und Astrologie“ weiterlesenErotische Fatigue
Wenn alles möglich ist, aber nichts mehr unter die Haut geht
Noch nie wurde so differenziert und zugleich so offen über Sexualität gesprochen. Noch nie war das Repertoire an Begriffen und Methoden so umfangreich, die Haltung so reflektiert, der Anspruch so hoch. Noch nie stand uns ein so reichhaltiges Vokabular für Lust, Konsens und Körperlichkeit zur Verfügung.
Wir haben uns von den schamhaften Flüstertönen der Vergangenheit zu einer aufgeklärten Gesellschaft entwickelt, die ein buntes, vielfältiges, neonleuchtendes Vokabular der Sexualität – oder besser: der Sexualitäten – geschaffen hat. In Podcasts, Instagram-Reels und auf Panels wird gesprochen, analysiert, diskutiert. Und die Namen vieler Workshops in diesem Bereich klingen wie Cocktails in einer hippen Bar: Feuer der Lust – das Extase-Retreat, Kinky-Kuss-Workshop, Wheel-of-Konsent-Training, Yoni-Watching, Conscious-Tempelnight.
Ja, diese Entwicklung ist ein Geschenk. Sie befreit uns vom Schweigen und vom Tabu. Sie öffnet Räume, in denen Menschen sich ausdrücken, ihre Grenzen benennen und ihre Sehnsüchte teilen können. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, wie transformierend es sein kann, endlich Worte zu finden für etwas, das lange nur als diffuses Gefühl existierte. Sprache schafft Bewusstsein und aus Bewusstsein entsteht Klarheit. Doch Sprache und die damit einhergehende Deutlichkeit können dem Sex auch seine Magie nehmen. Das Mysterium, das ihm innewohnt, kann durch zu viele Worte, zu viel Bewusstsein überlagert werden.
So spüre ich in meiner Arbeit mit Paaren und Einzelnen eine leise Verschiebung. Neben der neu gewonnenen Freiheit taucht eine andere Erfahrung auf: eine Form von Müdigkeit, die sich schwer greifen lässt. Menschen sagen: „Wir machen doch alles richtig, und doch fühlt es sich nicht wirklich lebendig an.“ Oder: „Ich weiß so viel über Sexualität – und doch spüre ich so wenig.“
Diese Erfahrungen beschreiben, was ich Erotische Fatigue nenne: eine Erschöpfung, die nicht aus Mangel entsteht, sondern aus Überfülle.
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