Was ist eine sexologische Praxis?

Ein Ort für Sexualität, Erotik und Beziehung

Wohin können wir mit unseren Fragen zur Sexualität gehen?

Bei Schmerzen, körperlichen Veränderungen oder medizinischen Fragen suchen wir eine Ärztin oder einen Arzt auf. Wenn psychisches Leiden oder eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht, gibt es psychotherapeutische Unterstützung. Doch viele Fragen, die Menschen zu ihrer Sexualität und ihren Beziehungen beschäftigen, liegen weder im einen noch im anderen Bereich.

Der Körper funktioniert doch, aber die Lust ist verschwunden. Eine Beziehung ist liebevoll und vertraut, jedoch hat sich die erotische Spannung verändert. Fantasien tauchen auf, die neugierig machen aber irritieren. Zwei Menschen lieben sich und stellen fest, dass ihre sexuellen Wünsche zunehmend auseinandergehen. Nach einer Trennung, nach vielen Jahren in einer Beziehung oder in einer neuen Lebensphase entsteht der Wunsch, sich noch einmal anders mit der eigenen Sexualität zu beschäftigen. Und manchmal gibt es gar kein akutes Problem, sondern schlicht die Frage: Wer bin ich eigentlich als sexuelles und erotisches Wesen?

Für solche Fragen gibt es erstaunlich wenige selbstverständliche Orte. Die sexologische Praxis ist ein solcher Ort.

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Das Vergänglich-Ewigste

Über Eros, Begehren und Lebendigkeit

Als Sexologin bin ich in meiner Praxis permanent mit zwei Polen konfrontiert: Bindung und Freiheit. Nähe und Distanz. Halten und Loslassen. Menschen wünschen sich Verlässlichkeit und zugleich Lebendigkeit, Sicherheit und zugleich Sehnsucht, ein vertrautes Gegenüber und dennoch auch jemanden, der sie überrascht. Wir möchten uns hingeben und zugleich unsere Autonomie bewahren. Wir sehnen uns nach Nähe und spüren manchmal, dass gerade zu viel Nähe der Liebe die Luft zum Atmen nimmt. Hinter vielen dieser scheinbaren Widersprüche lässt sich, wenn man so will, ein noch grundlegenderes Spannungsverhältnis erkennen, das Philosophie, Mythologie und Psychoanalyse seit Jahrhunderten beschäftigt: Eros und Thanatos, Leben und Tod, Verbindung und Auflösung. Häufig werden sie als große Antagonisten dargestellt. Eros verbindet, Thanatos trennt. Eros bringt hervor, Thanatos beendet. Eros begehrt, Thanatos schweigt. Doch bei genauerem Hinsehen sind sie keine bloßen Gegenspieler. Vielmehr markieren sie zwei Kräfte, zwischen denen menschliche Existenz stattfindet. Wir verbinden uns, ohne ganz ineinander aufzugehen. Wir halten fest und müssen doch auch loslassen können. Vielleicht lässt sich sogar sagen, dass Lebendigkeit gerade aus dieser Spannung hervorgeht. In diesem Text möchte ich diesem Spannungsfeld nachspüren.

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Erotische Finesse

Liebe und Astrologie

Unter welchem Stern lieben Sie?

Orientieren Sie sich bei der Partnerwahl bisweilen an Sternzeichen? Waren Sie schon einmal kurz verunsichert, weil „Jungfrau und Widder als Paar ja schwierig sein sollen“, oder haben Sie vielleicht innerlich aufgeatmet, weil astrologisch alles feinstens zu passen schien? Astrologie ist, wie auch andere Formen des Aberglaubens, tief in das Gewebe unseres Alltags eingewoben und durchzieht auch unser Liebesleben. Sie wirkt, oft subtil, in die Art hinein, wie wir über Anziehung, Konflikte und Nähe sprechen und welche Vorstellungen wir davon entwickeln, wer zu wem passt und wie jemand verführt werden will. Manche Menschen gehen mit einem Augenzwinkern damit um, andere mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit.

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Erotische Fatigue

Wenn alles möglich ist, aber nichts mehr unter die Haut geht

Noch nie wurde so differenziert und zugleich so offen über Sexualität gesprochen. Noch nie war das Repertoire an Begriffen und Methoden so umfangreich, die Haltung so reflektiert, der Anspruch so hoch. Noch nie stand uns ein so reichhaltiges Vokabular für Lust, Konsens und Körperlichkeit zur Verfügung.

Wir haben uns von den schamhaften Flüstertönen der Vergangenheit zu einer aufgeklärten Gesellschaft entwickelt, die ein buntes, vielfältiges, neonleuchtendes Vokabular der Sexualität – oder besser: der Sexualitäten – geschaffen hat. In Podcasts, Instagram-Reels und auf Panels wird gesprochen, analysiert, diskutiert. Und die Namen vieler Workshops in diesem Bereich klingen wie Cocktails in einer hippen Bar: Feuer der Lust – das Extase-Retreat, Kinky-Kuss-Workshop, Wheel-of-Konsent-Training, Yoni-Watching, Conscious-Tempelnight.

Ja, diese Entwicklung ist ein Geschenk. Sie befreit uns vom Schweigen und vom Tabu. Sie öffnet Räume, in denen Menschen sich ausdrücken, ihre Grenzen benennen und ihre Sehnsüchte teilen können. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, wie transformierend es sein kann, endlich Worte zu finden für etwas, das lange nur als diffuses Gefühl existierte. Sprache schafft Bewusstsein und aus Bewusstsein entsteht Klarheit. Doch Sprache und die damit einhergehende Deutlichkeit können dem Sex auch seine Magie nehmen. Das Mysterium, das ihm innewohnt, kann durch zu viele Worte, zu viel Bewusstsein überlagert werden.

So spüre ich in meiner Arbeit mit Paaren und Einzelnen eine leise Verschiebung. Neben der neu gewonnenen Freiheit taucht eine andere Erfahrung auf: eine Form von Müdigkeit, die sich schwer greifen lässt. Menschen sagen: „Wir machen doch alles richtig, und doch fühlt es sich nicht wirklich lebendig an.“ Oder: „Ich weiß so viel über Sexualität – und doch spüre ich so wenig.“

Diese Erfahrungen beschreiben, was ich Erotische Fatigue nenne: eine Erschöpfung, die nicht aus Mangel entsteht, sondern aus Überfülle.

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