In meiner sexologischen Praxis spielt die erotische Finesse des Menschen eine besondere Rolle.
Paare können einander lieben und dennoch unsicher oder ungeschickt sein, wenn sie versuchen, sich erotisch zu begegnen. Auch körperliche Erregung allein garantiert noch keine knisternde erotische Begegnung.
Als Sexologin spreche ich daher gerne über „erotische Finesse“. Damit meine ich, ein Gespür für die Feinheiten des eigenen erotischen Erlebens zu entwickeln und dieses bewusst gestalten zu können. Körperliche Erregung, sinnlicher Genuss und erotische Anziehung können zusammenspielen, werden aber nicht immer zeitgleich erlebt. Und müssen es auch gar nicht.
Was macht eine Berührung reizvoll, eine Begegnung spannend, eine Fantasie anziehend? Aufmerksamkeit, Tempo, Nähe und Abstand können ebenso eine Rolle spielen wie die Bedeutungen, die wir Dingen, Situationen oder Körpern geben. Dabei lohnt es sich, die eigene erotische Sprache zu ergründen: Welche Worte, Gesten und Szenen sprechen mich an? Welchen Spielraum wünsche ich mir?
Die eigene Sexualität als etwas Gestaltbares zu begreifen, eröffnet Möglichkeiten. Erotische Finesse ist wie eine feine Kunst, die durch Aufmerksamkeit, Erfahrung und Experimentierfreude wachsen kann.
Sich mit der eigenen Erotik zu beschäftigen, kann darüber hinaus zutiefst belebend sein. In ihr begegnen wir unseren Sehnsüchten und unserer Vorstellungskraft, unserem ganz eigenen Imaginarium aus Bildern, Fantasien und Szenerien. In der Berührung mit unserer Erotik können wir auch unser Gefühl von Lebendigkeit nähren.
In meiner Arbeit begleite ich Menschen darin, sich diese Dimension zu erschließen, ohne Leistungsdruck und ohne vorgegebenes Ideal. Erotische Finesse geht mit erotischer Bildung einher. In der sexologischen Praxis eröffne ich meinen Klienten die Möglichkeiten, das eigene erotische Erleben besser zu verstehen. Dazu gehören Erkunden, Spüren, Ausprobieren und Reflektieren, manchmal auch das Hinterfragen vertrauter Muster und das Entdecken neuer Möglichkeiten.
Viagra und Co.: Was Erektionsmedikamente für die Sexualität bedeuten können
Eine Tablette, eine Erektion, ein gelöstes Problem? So einfach ist es selten.
Viagra ist vermutlich das bekannteste Medikament gegen Erektionsstörungen. Sein Name ist längst Teil der Alltagssprache geworden und steht häufig stellvertretend für eine ganze Gruppe von Erektionsmedikamenten. Der eigentliche Wirkstoff heißt Sildenafil. Daneben gibt es weitere Wirkstoffe wie Tadalafil, Vardenafil und Avanafil, die nach einem ähnlichen Prinzip wirken, sich jedoch unter anderem darin unterscheiden, wie schnell ihre Wirkung einsetzt und wie lange sie anhält.
In meiner sexologischen Praxis erlebe ich immer wieder, wie stark sich das sexuelle Geschehen auf die Frage zuspitzen kann, ob der Penis ausreichend steif wird und die Erektion erhalten bleibt. Das ist verständlich, besonders dann, wenn Erektionsschwierigkeiten wiederholt auftreten und sich Unsicherheit, Scham oder Leistungsdruck entwickeln. Dennoch greift eine rein funktionale Betrachtung oft zu kurz.
Eine Erektion ist nicht dasselbe wie Lust, Begehren, körperliche Erregung oder sexuelles Wohlbefinden. Genau diese Unterscheidung ist für einen differenzierten Umgang mit Viagra und anderen Erektionsmedikamenten wesentlich.
„Viagra und Co.: Was Erektionsmedikamente für die Sexualität bedeuten können“ weiterlesenSquirting bei Frauen: Was wirklich dahintersteckt
Squirting bei Frauen zählt bis heute zu den heiß diskutierten Phänomenen weiblicher Sexualität. Zwischen Mythen, Pornobildern und medizinischer Unwissenheit blieb lange unklar, was diese Flüssigkeit eigentlich ist, woher sie stammt und welche Bedeutung sie für das sexuelle Erleben hat. Die Forschung der letzten Jahre hat das Bild glücklicherweise präzisiert. Die Erkenntnisse wirken unspektakulär und gerade deshalb befreiend. Sie räumen mit vielen kulturellen Vorstellungen auf und schaffen Raum dafür, dass Frauen ihren Körper und ihre sexuelle Reaktion entspannter und selbstverständlicher erleben können.
Was wir heute wissen: Squirten meint das Ausstoßen größerer Flüssigkeitsmengen aus der Harnröhre während sexueller Erregung. Die wissenschaftliche Literatur unterscheidet heute sauberer zwischen zwei Formen: weibliche Ejakulation (female ejaculation) und Squirting (female expulsion). Das ist wichtig, weil beide oft miteinander verwechselt wurden.
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